Solothurner Zeitung  - Mittwoch 11. Februar 2004

 

Intimität des Autorenliedes

 

Biel  Mimmo Locasciulli, Greg Cohen und Büne Huber unterwegs

 

Seit seinem ersten, im legendären Römer Folk Studio eingespielten Album "Non rimanere là" (1975) geht der in Rom lebende Cantautore Mimmo Locasciulli seinen eigenen Weg, unbeirrt von Moden und Trends. 1989 begann mit "Adesso glielo dico" seine Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Jazzbassisten Greg Cohen, der auch Tom Waits begleitete und als kreatives Mitglied in den Bands von John Zorn und Dave Douglas Jazzgeschichte schrieb. Er war beim Konzept wie bei der Genesis des in diesen Tagen erschienenen Albums "Piano piano" wiederum wesentlich beteiligt. Es ist vielleicht das schönste, ästhetisch abgerundetste Album des Italieners, bestimmt aber auch dasjenige, das am radikalsten auf der Suche nach der Intimität des Autorenliedes ist.

Locasciulli geht radikal auf Distanz zu den hektischen Rhythmen unserer Zeit. Es gelingt ihm, "langsam, langsam" seine Musik dem Stress unserer Zeit zu entrücken. "Es gibt noch ein wenig Zeit" ist das Motto des Albums, das auch eine Art Bilanz ist, die Summe eines Musikers, der sich zunächst als "verloren und konfus, müde und enttäuscht" bekennt, dann aber "sachte, sachte", wie es der Titelsong fordert, die Zeit neu bemisst, nicht nur nostalgisch zurückblickend, auch nicht abgeklärt, sondern aufgeklärt. An dieser vom Piano begleiteten Stimme, unterstützt durch Cohens einfühlsamen Kontrabass und eine spärliche, aber effiziente  Zusatzinstrumentierung (Konzertgitarre, Saxophon, Flügelhorn), kann man sich aufrichten. Locasciulli gibt dem Autorenlied, mal klagend, mal aufmunternd, in einem Wechselspiel von Melancholie und Heiterkeit, eine neue Würde. Eine solche Musik, die gegen die Unruhe ihrer Zeit antritt, würde in grossen Hallen untergehen. Deshalb gehört es zum Konzept von Locasciulli und Cohen, ihrem Publikum in kleinen Säälen zu begegnen. Während ihrer Schweizer Tournee wird sich – ausser in Basel – mit Büne Huber (Patent Ochsner) ein gesinnungsverwandter Schweizer Barde zu ihnen gesellen. Vor Jahresfrist hatte Locasciulli dessen "Hotelsong" ins Italienische übertragen und auf der neuen CD ist - in einer Bonus-Track-Version – zusätzlich auch die gemeinsame Aufnahme von Bern zu hören, mit einem auch von Locasciulli auf Berndeutsch gesungenen Refrain. (rab)