Cantautori-Connection

 

Mimmo Locasciulli mit Büne Huber und Greg Cohen im Kaufleuten

 

Ruedi Ankli

 

Der Römer Cantautore Mimmo Locasciulli und der New Yorker Jazzbassist Greg Cohen sind miteinander

durch ihre Vielseitigkeit verwandt. 1987 lernten sie sich am Premio Tenco in Sanremo kennen, als Cohen

dort mit Tom Waits auftrat. Daraus entstand eine freundschaftliche Zusammenarbeit, die 1989 auf dem

Album «Locasciulli (adesso glielo dico)» erste Früchte trug. Mit dem unberechtigten Vorwurf, Waits zu

italianisieren, konnte Locasciulli leben, denn er gehört zu den raren «klassischen» Cantautori, die damals

jazzige Arrangements verwendeten. Auch die nachfolgenden CD verbreiteten einen angenehmen und

ungewöhnlichen Duft von nostalgischem Jazz.

Locasciulli blieb in der Zusammenarbeit mit Cohen seiner melodiösen Linie treu, bearbeitete aber zahlreiche

Songs aus seinem beachtlichen Repertoire neu. Bald wagte er sich auch an gewagtere, schrägere Klänge,

zu denen bisweilen auch der Jazzgitarrist Marc Ribot sein Scherflein beitrug, zuletzt auf dem 2006

erschienenen Album «Sglobal» (das erste übrigens mit Cohen als Co-Produzent diverser Titel). Greg Cohen,

der Wunsch-Kontrabassist von Jazzlegenden wie Ornette Coleman oder John Zorn, hat die seltene Gabe,

sich perfekt auf sein Gegenüber einzustellen. Er gibt sein Bestes, holt aber jeweils auch das Beste aus dem

Partner heraus. Dies schafft er nicht nur mit Locasciulli, sondern nun auch mit dem Berner Barden Büne

Huber (Patent Ochsner), dessen melancholische Songs er mit einem ironischen Touch aufzulockern

versteht.

Nach diversen Varianten mit reziproker Gastbeteiligung stellt sich das Trio nun erstmals dem Schweizer

Publikum vor. Mit Gewinn, wie sich am Mittwochabend an der Luzerner Premiere feststellen liess. Im

ausgewogenen Repertoire sind drei Titel der letzten beiden Locasciulli-CD - zählt man Hubers zweisprachig

interpretierten «Hotelsong» mit. Die durchmischte Abfolge der Songs, der Wechsel zwischen Melancholie

und Humor und die virtuosen Solos von Cohen sorgen für emotionale Kontur und inspirierende Spannung.

 

© Neue Zürcher Zeitung, 19.01.2007; Seite 50; Nummer 15 Zürcher Kultur