songwritertreffen: huber/locasciulli/cohen
VERWANDTSCHAFT
Der Berner Büne Huber und der Römer Mimmo Locasciulli
teilen öfter mal die Töne. Und den Bassisten -den
Tom-Waits-Kollegen Greg Cohen.
Von Benedetto Vigne
An einem trüben,
trostlosen Januartag des Jahres 1995 fuhr Büne Huber die Adriaküste entlang. Der
besondere
Charme der verlassenen Strandstädte hatte es ihm
angetan, er wollte
Und dann kam
plötzlich dieses eine Lied im Autoradio, eine
wehmütige Ballade mit dem Titel «Natalina».
Der Wintertag hellte auf. Vielleicht hörte der Patent-Ochsner-Sänger ein wenig seine eigenen Melodien im
Stück
nachklingen. Der Moderator sprach von einem Mimmo Irgendwie.
Zurück
in
Cantautore
der Römer Schule, Freund des berühmteren
Francesco De Gregori, Chirurg
von Beruf und Autor
solch
inspirierter Albumtitel wie «Delitti perfetti»
(Perfekte Verbrechen) und
«Tango dietro l’angolo»
(Tango
um die Ecke).
Büne Huber schrieb dem italienischen
Kollegen, schickte ihm das damalige
Ochsner-Werk «Gmües».
Locasciulli gefiel die
ausgefallene Berner Stimmung. Es entstand
eine musikalische Freundschaft, auf
brieflicher,
distanzierter Ebene vorerst. Im Jahr
2000 trafen sich die beiden Sängerpoeten erstmals auf der
Bühne.
Und sie sahen dabei die Gemeinsamkeiten bestätigt. Den Hang zur melancholischen Wendung; die
Vorliebe
für kleine, miniaturhafte Geschichten aus dem Alltag;
die Bewunderung für die amerikanische
Songschule,
für Randy Newman, Tom Waits, Neil Young. Beide sprachen, obwohl in unterschiedlichen
Idiomen
zu Hause, eine sehr ähnliche
musikalische Sprache.
Aus römisch wird berndeutsch
2003 folgte ein erster Höhepunkt
in dieser transalpinen Partnerschaft, Locasciulli und
Huber tauschten
gegenseitig
ihre Lieder auf einer gemeinsamen CD-Single aus, Patent
Ochsner interpretierten «Natalina»
auf Berndeutsch, der Römer intonierte
«Hotelsong» auf Italienisch.
Und siehe da, die Aneignung war perfekt,
die Stücke klangen, als stammten
sie von den jeweiligen Interpreten. Immer öfter fanden gemeinsame
Auftritte
statt. Fast jedes Mal war der virtuose amerikanische
Stehbassist Greg Cohen mit
von der Partie;
Locasciulli
hatte ihn 1987 anlässlich eines Tom-Waits-Konzertes am Premio Tenco in Sanremo kennen
gelernt.
Auch hier gedieh also eine Freundschaft.
Greg Cohen wurde steter Begleiter und gelegentlicher Mitproduzent der Alben des Römers.
So auch seines
letzten
Werkes «Sglobal», das im vergangenen
Frühjahr erschien und, siehe da, einmal
mehr eine Adaption
eines
alten Ochsner-Liedes enthält. Huber-Locasciulli-Cohen,
der Kreis schliesst sich, die drei sind wieder
zusammen
unterwegs.
© züritipp (Tages-Anzeiger), 18.01.2007; Seite
23